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Systematische Übersichten in der Tierforschung

Gibt es Spielraum für eine breitere Anwendung? 

"Die Erstellung einer systematischen Übersicht bedarf der Anwendung wissenschaftlicher Strategien, um eine Aufstellung, kritische Beurteilung und Synthese aller relevanten Studien zu schaffen, die sich mit einer konkreten klinischen Frage befassen, wobei Verzerrungen zu vermeiden sind"ANCHOR

Systematische Übersichten werden verwendet, um eine konkrete Frage eingehend zu untersuchen und Grundlagen für das Treffen klinischer Entscheidungen zu schaffen. Meistens werden dabei Daten aus der Humanforschung analysiert und verglichen, die aus klinischen Studien stammen. Damit diese systematischen Übersichten effektiv sind, müssen alle in die Übersicht einbezogenen Studien ähnliche Methoden angewendet und ähnliche Ziele verfolgt haben. Nur auf diese Weise wird eine solide Basis für den Vergleich ihrer Ergebnisse geschaffen. Literatur-Datenbanken müssen intensiv durchsucht werden, um alle relevanten Informationen zu erfassen und die ausgewählten Studien müssen so einbezogen werden, wie es die Übersichtskriterien verlangen. Dieser Ansatz hilft dabei, Verzerrungen zu minimieren.

Die Meta-Analyse ist eine Art der Erstellung einer systematischen Übersicht, die Methoden der Statistik verwendet, um die Ergebnisse verschiedener Studien zu demselben Problem miteinander zu kombinieren. Klinischen Studien mangelt es oft an statistischem Wert, da die Versuchssubjekte untereinander oft sehr verschieden sind und der Umfang der Proben zu gering ist. Auch die Verzerrung durch die Veröffentlichungspraxis wäre hier zu beachten, da negative Studien oft gar nicht erst publiziert werden. Die Meta-Analyse versucht, diese Einflüsse zu minimieren, in dem sie ein zusammenfassendes Resultat erstellt, das die Ergebnisse der verschiedenen Studien beinhaltet. Dadurch erhöht sich die statistische Präzision und die Ergebnisse werden klinisch relevanter.

Nicht alle systematischen Übersichten sind für die Meta-Analyse geeignet, da die Bedingung dafür ist, dass die Studien ähnliche Methoden angewendet und die gleichen Ziele verfolgt haben. Nur so können die Daten gleich behandelt und systematisch und ohne Verzerrungen analysiert werden. Im Gegensatz dazu gibt eine narrative Übersicht meist größeren Spielraum. Sie legt keine bestimmten Methoden zur Auswahl des verwendeten Materials fest und versucht auch nicht aktiv, Verzerrungen zu vermeiden.

Dieses Verfahren liefert normalerweise ein qualitatives Ergebnis. Es vermittelt einen Eindruck über die erhältliche Literatur und ist meist eine recht subjektive Darstellung.

Narrative Übersichten sind in der Tierforschung besonders üblich, systematische Übersichten und Meta-Analysen allerdings weniger. Bis 2005 wurden insgesamt nur 103 solcher Übersichten erstellt, wovon 57 systematische Übersichten, 29 systematische Übersichten mit Meta-Analysen und 17 Meta-Analysen waren.

Der Wert einer systematischen Übersicht scheint offensichtlich. Es gibt aber auch hier Probleme. Oft ist es unmöglich, negative Ergebnisse veröffentlichen zu lassen. Während klinische Studien häufig recht ähnliche Experimente sind, die die Auswirkungen einer Intervention (Medikament oder Behandlung) auf seine klinischen Resultate untersuchen, ist es bei Tierstudien wahrscheinlich, dass sie verschiedene Methodiken anwenden und auch unterschiedliche Ziele verfolgen. Manche Studien werden konzipiert, um Mechanismen anstelle von Ergebnissen zu untersuchen. Die Unterschiede bezüglich der eingesetzten Spezies, Stämme und Methoden können dabei bedeutsam sein und von der Wiederholung von Experimenten, die oft essenziell für den Erhalt ausreichender Daten bei klinischen Studien ist, wird seitens der Behörden und des Veröffentlichungsprozesses entschieden abgeraten. Durch diese Unterschiede im Ansatz gibt es relativ wenige identische Experimente, die in einer systematischen Übersicht kombiniert werden können und die Durchführung einer Meta-Analyse ist in den meisten Fällen unwahrscheinlich.

Wenn Tiere als Modelle für Menschen eingesetzt werden, müssen die Ergebnisse der Studie zwei Fragen beantworten, um effektiv über das klinische Resultat zu informieren:

1. Lässt eine systematische Übersicht der Ergebnisse für eine spezielle Behandlungsmethode oder Medikament in einem Tiermodell eine klare Schlussfolgerung bei Tieren zu?

2. Ist das Tiermodell ein gutes Modell für den Menschen?

Keine systematische Übersicht kann die zweite Frage beantworten, es sei denn, die Reaktion im Menschen ist bereits bekannt. Andererseits wächst das Vertrauen in die Resultate mit jedem richtigen Ergebnis, das eine systematische Übersicht von Tierstudien liefern kann.

In letzter Zeit wurden einige systematische Übersichten und Meta-Analysen dazu genutzt, die Nützlichkeit von Tierstudien zur Vorhersage menschlicher Reaktionen in Frage zu stellen. Eine Studie über 44 randomisierte Kontrollstudien zur Volumenreanimation in Tieren ergab eine wesentliche Heterogenität der Ergebnisse durch die Methode der induzierten Blutung. Keines der Experimente war jedoch stark genug, um zuverlässig eine Halbierung des Todesrisikos festzustellen; nur zwei gaben an, wie die Behandlung auf die Tiere aufgeteilt wurde, Blindung wurde nur selten angewendet und es gab höchstwahrscheinlich eine Verzerrung durch die Veröffentlichung – als Ergebnis dessen, waren die Chancenverhältnisse unmöglich zu interpretieren. Die Autoren stellten in Frage, ob die Tierversuche hilfreich für die menschliche Gesundheitspflege waren. In einer größeren systematischen Übersicht zu sechs Interventionen mit bekanntem Resultat im Menschen, gab es nur in drei Fällen eine klare Übereinstimmung zwischen den Ergebnissen der Tier- und Humanstudien.

Systematische Übersichten haben sich als besonders hilfreich bei der Einschätzung der Wirksamkeit von Medikamenten und anderen medizinischen Interventionen in Tiermodellen bewiesen. Obwohl systematische Übersichten durchaus auf Qualitätsmängel in der Tierforschung hingewiesen haben, rechtfertigt das nicht unbedingt ihre weitverbreitete Anwendung. Die Vorteile von gut dokumentierten, unverzerrten Studien, die konsistente Methoden anwenden, sind offensichtlich. Möglicherweise wäre es aber nützlicher, Mitarbeiter in der Tierforschung besser auszubilden, als systematische Übersichten vorhandener Daten zu erstellen. Sie sind ein potentiell hilfreiches Tool für die Analyse von Tierdaten, aber systematische Übersichten sollten sich auf die dafür  geeigneten Bereiche beschränken und immer unter Berücksichtigung der 3Rs durchgeführt werden.


Quellen

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