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Ebola-Impfstoff & westliche Gorillas

Im letzten Jahrzehnt hatte eine Ebola-Epidemie verheerende Folgen für Menschen, Schimpansen und Gorillas in Zentralafrika. Vor allem bezüglich des westlichen Gorillas (gorilla gorilla)herrscht große Besorgnis. Alle Affen und Schimpansen sind zwar bedroht, jedoch erstreckt der Lebensraum dieser Gorillas sich über einen extrem kleinen Bereich, wobei der Großteil der Population in Gabun, Republik Kongo und Kamerun lebt.   

Ebola-Ausbrüche haben die großen, isolierten Parks, die normalerweise den Kern des Netzwerks zum Schutz des Gorillas darstellen, getroffen. Mitte der 90er Jahre starben mehr als 90% der Affenpopulation im Minkébé Park im nördlichen Gabun während eines Ebola-Ausbruchs. Viele Todesfälle aufgrund von Ebola gab es auch im Odzala Nationalpark im Nordwesten Kongos zwischen 2003 und 2005. Andere kleinere Parks waren ähnlich betroffen und es wird geschätzt, dass ein Drittel der unter Schutz stehenden Gorillas in Nationalparks in den letzten 15 Jahren gestorben sind.

Das Ebolavirus
Aktuelle Auswirkungen auf den westlichen Gorilla
Potenzial für Schutzimpfungen
Referenzen

Das Ebolavirus

Electronmicrograph of Ebola, thanks to CDCDas Ebolavirus verursacht hämorrhagisches Ebolafieber. Zu den Symptomen gehören Erbrechen, Durchfall, allgemeiner Körperschmerz, Fieber und sowohl interne wie externe Blutungen. Die Sterblichkeitsrate ist hoch: rund 80% beim Menschen und über 95% bei Gorillas. Der Tod wird normalerweise durch einen hypovolämischen Schock verursacht, wobei der Schock durch plötzlichen Blutverlust oder Organversagen ausgelöst wird. Die Inkubationszeit liegt zwischen 2 und 21 Tagen, die Dauer zwischen Einsetzen der Symptome und Tod jedoch beträgt in den meisten Fällen 7 bis 14 Tage.ANCHOR ANCHOR

Electronmicrograph of Ebola, thanks to CDC

Die ersten Ausbrüche des Virus traten gleichzeitig in Zaire(heutzutage die Demokratische Republik Kongo) und Sudan im Jahre 1976 auf, seitdem sind die Ebola-Ausbrüche schlagartig aufgetreten und haben sich von Mensch zu Mensch übertragen. Das Muster der Ausbrüche, sowohl in Menschen wie in menschenähnlichen Primaten, deutet an, dass der Virus von einem Trägerwirt übertragen wird, der reichlich vorhanden sein muss. Fruchtfledermäuse werden als die wahrscheinlichsten Kandidaten angesehen,ANCHOR jedoch wurde dies ungeachtet der Anstrengungen der Weltgesundheitsorganisation, die Ursache der Krankheit zu identifizieren, noch nicht eindeutig festgestellt. Ausbrüche beim Menschen werden ebenfalls durch Kontakt mit toten Primaten ausgelöst, daher könnte die Reduzierung des Kontakts zwischen Mensch und Wildtieren die Verbreitung des Virus verringern.ANCHOR

Der Preis für die Krankheit ist hoch. Viele Menschen in den betroffenen Gebieten sterben und Primatenpopulationen werden zerstört. Viele der Regionen rund um die Schutzgebiete sind für ihren Lebensunterhalt vom Ökotourismus abhängig und die Auswirkungen auf die Gorilla- und Schimpansenpopulationen haben einen direkten Effekt auf die örtlichen Lebensgrundlagen.

Im März 2003 wurde eine Dringlichkeitssitzung in Brazzaville, Republik Kongo, gehalten, um den Ausbruch des Ebolavirus unverzüglich und langfristig in Angriff zu nehmen. Dies war die erste multidisziplinäre Versammlung von Experten, bei der die Auswirkungen von Ebola auf sowohl den Menschen als auch die Wildtiere besprochen wurden. Während dieses Treffens wurden Maßnahmen angesetzt, um die sozialen und wirtschaftlichen Traumata der Krankheit zu lindern, die sowohl die Artenvielfalt als auch die Gesundheit der Menschen gefährden.ANCHOR

Aktuelle Auswirkungen auf den westlichen Gorilla   

Spread of Ebola in central Africa  - Peter Walsh, Max Panck Institute of evolutionary anthroplogySpread of Ebola in central Africa  - Peter Walsh, Max Panck Institute of evolutionary anthroplogy Während der letzten zehn Jahre verbreitete das Virus sich mit einer Geschwindigkeit von 50 km pro Jahr über Äquatorialafrika und es ist wahrscheinlich, dass sie sich mit derselben Geschwindigkeit weiter ausbreitet. Wenn die derzeit vom Virus unberührten Gorillas in den Parks bei einer Infektion mit Ebola die bisher erlebte Sterblichkeitsrate aufweisen, dann könnte das Virus in den nächsten 10 Jahren weitere 15% der Weltpopulation der Gorillas töten.
 
Spread of Ebola in central Africa  - Thanks to Peter Walsh, Max Panck Institute of evolutionary anthroplogy
Da die Affen und Schimpansen nicht allein wegen des Ebolavirus vom Aussterben bedroht sind, hat diese Epidemie die Population bis zu einem Punkt reduziert, dass diese sich angesichts anderer Bedrohungen wie Wilderei selber nicht mehr erhalten kann. Gorillas pflanzen sich langsam fort und nach Schätzungen würde es - selbst mit den optimistischsten Annahmen bezüglich Krankheit und Wilderei - 75 Jahre dauern, bis die Population sich von ihrer derzeitigen Situation erholt habe.ANCHORDie Weltnaturschutzunion(IUCN) stufte die Gorillas im September 2007 als stark gefährdet ein. Dies ist das erste Mal, dass ein Säugetier als direkte Folge einer Krankheit stark gefährdet ist.  

Potenzial für Schutzimpfungen

Da die Übertragung durch kleine Trägerwirte geschieht, die schwierig zu kontrollieren sind, ist es unwahrscheinlich, dass die Übertragung vollständig verhindert werden kann. Neue Studien zeigen jedoch, dass das Virus sich von einem Gorilla auf den anderen überträgt, sobald es eine Population erreicht hat und es sich sogar zwischen deren sozialen Gruppen bewegt. In einer solchen Situation könnte ein Impfprogramm sehr effektiv sein, da so die Übertragungskette durchbrochen würde. Die Anzahl der Affen, die in Äquatorialafrika noch geimpft werden müssten, ist relativ klein und da die Gorillapopulation so rapide abnimmt, würde die Rettung einiger Tausender in Schlüsselgebieten schon einen Unterschied machen.ANCHOR

Spread of Ebola in central Africa  - Thanks to Peter Walsh, Max Panck Institute of evolutionary anthroplogyVerschiedene Impfungen haben Ebola bei Laboraffen gehemmtANCHOR ANCHOR ANCHOR ANCHOR, und wahrscheinlich sind sie auch bei Schimpansen und Gorillas wirksam. Es wird erhofft, dass diese zusätzlich zur Rettung des westlichen Gorillas vor dem Aussterben, außerdem den Weg für eine menschliche Ebola-Impfung ebnen werden. Die Impfstoffe werden derzeit von einer gemeinschaftlichen Arbeitsgruppe entwickelt, die sich das Ziel gesetzt hat, die Ebolakrise bei Affen in Angriff zu nehmen. Um jeden dieser Impfstoffe für die Verwendung bei Affen geeignet zu machen, muss ihre Wirksamkeit erforscht werden und sind umfangreiche Sicherheitstest notwendig. Zur Bestimmung der besten Abgabemethoden für den Impfstoff werden Labor- und Feldstudien eingesetzt. Es gibt zwei Möglichkeiten, den Impfstoff zu verabreichen: entweder durch intramuskuläre Injektion mithilfe von Injektionspfeilen oder die orale Verabreichung mittels Köders.  

Mithilfe von oralen Impfstoffen bekam man in Europa die Tollwut unter Kontrolle und derzeit werden sie als Teil eines erfolgreichen Impfprogramms zur Rettung des gefährdeten äthiopischen Wolfs verwendet.ANCHOR Ähnliche Ködermethoden könnten viele Gorillas erreichen, jedoch sind Forschungen notwendig, um einen erfolgreichen Köder zu finden, der nur für die Zielspezies attraktiv ist. Bei oraler Verabreichung handelt es sich um Lebendimpfstoffe, die umfangreich getestet werden müssen, bevor sie bei einer Wildtierpopulation eingesetzt werden können.  

Bei der Verabreichung über Injektionspfeile gibt es weniger Sicherheitsbedenken, da es sich hierbei nicht um die lebende Form des Krankheitserregers handelt. Die Impfstoffe für die Injektionspfeile können schnell verfügbar sein, da sie weniger strengen Tests unterliegen, jedoch können auf diesem Wege viel weniger Gorillas immunisiert werden. Für ein erfolgreiches Schutzimpfprogramm wird die Entwicklung beider Verabreichungsmethoden erforderlich sein. Zusammen könnten sie zur Eindämmung der Übertragung in den betroffenen Gebieten sowie zur Vorbeugung einer Epidemiewelle verwendet werden.

Die Hoffnung besteht darin, dass die neuesten Entdeckungen bezüglich der Verbreitung von Ebola und der Status „stark gefährdet“, der dem westlichen Gorilla zugesprochen wurde, die nötigen Gelder einbringen, damit die Tests des wirksamen Impfstoffes und die Forschung nach der passenden Methode der Verabreichung vollendet werden können. Die Kosten der Labor- und Feldversuche, die nötig sind, um eine erfolgreiche Impfung zu lancieren werden von der IUCN derzeit auf $ 2 Millionen geschätzt.


Quellen

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