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AZT - die erste medikamentöse Therapie für HIV

Die ersten AIDS-Fälle 


AZT is approved for treatment Image courtesy of National Institute of Allergy and Infectious DiseasesDie New York Times berichtete am 3. Juli 1981 als erste Zeitung über ein neuartiges Syndrom, das innerhalb der homosexuellen Gemeinschaften San Franciscos und New Yorks bemerkt worden war. Vorher gesunde Männer, einige gerade mal in ihrem Zwanzigern, litten unter seltenen Krankheiten, die normalerweise nur bei älteren Personen auftraten, wie dem seltenen Krebs: Kaposi-Sarkom. Zu der Zeit wurde die Untersuchung als "sowohl für die Wissenschaft als auch die Öffentlichkeit gesundheitlich wichtig angesehen, wegen der möglichen Auskünfte, die sie über die häufiger auftretenden Formen von Krebs geben könnte.ANCHOR

Es wurde bemerkt, dass die Patienten ernsthafte Mängel in ihrem Immunsystem hatten, besonders in den T- und B-Lymphozyten, jedoch waren weder Fälle außerhalb der homosexuellen Gemeinschaft bekannt noch gab es eindeutige Beweise, dass das Syndrom ansteckend war.1In der zweiten Hälfte von 1981 gab es dann auch Fälle in anderen sozialen Gruppierungen und wurde deutlich, dass es sich nicht um isolierte Einzelfälle handelte.ANCHOR ANCHOR Die Krankheit wurde bei Heterosexuellen, einschließlich einer Frau, und Abhängigen von intravenös injizierten Drogen festgestellt. Der erste Fall in Großbritannien wurde im Dezember 1981 gemeldet.ANCHOR

Das neue Syndrom wurde 1982 von CDC (siehe zugehörige Links) erworbenes Immundefektsyndrom (AIDS) genannt und es stellte sich heraus, dass AIDS durch Bluttransfusionen übertragen werden konnte. Bis 1983 wurde deutlich, dass alle sozialen Gruppen von dieser Krankheit gefährdet waren, wodurch großflächige Panik entstand, da nichts über diese neue Krankheit bekannt war - nicht einmal der Übertragungsweg. Ein Team am Institut Pasteur in Paris, das durch Luc Montagnier angeführt wurde, veröffentlichte ihre Entdeckung eines Virus, von dem sie glaubten, das er AIDS verursache.ANCHOR Das Virus war ein Retrovirus, das Lymphadenopathie-verbundenes Virus (LAV) genannt wurde. Die wissenschaftliche Gemeinschaft war skeptisch, dass das Virus AIDS verursachte, da Retroviren im Menschen fast unbekannt waren. Die einzig Bekannten wurden von Robert Gallo am National Cancer Institute in den USA untersucht, der die Verbindung zwischen AIDS und HTL-Viren, einer Kategorie menschlicher Retroviren, erforschte.

Am Ende des Jahres 1983 waren 3.064 AIDS-Fälle alleine in den USA gemeldet worden und 1.292 Menschen waren gestorben.ANCHOR

Die Identifizierung des Virus

Im Januar 1984 wurden Forschungsarbeiten veröffentlicht, die eine Anzahl von AIDS-Fällen miteinander in Verbindung brachten und darauf hinwiesen, dass die Krankheit sexuell übertragen wurde.ANCHOR Einige Monate später machte CDC die Aussage, dass sie glaubten, den für die Krankheit verantwortlichen Virus identifiziert zu haben - der LAV-Virus.

Einen Tag später machte das Team von Robert Gallo die kontroverse Mitteilung, dass sie den für AIDS verantwortlichen Virus isoliert hatten und es sich hierbei um HTLV-III handelte. Trotz der Ungewissheiten bedeutete die Identifizierung des Virus, dass ein Bluttest für das AIDS-Virus entwickelt werden könnte, und Schutzimpfung wurde eine Möglichkeit. Robert Gallos Arbeit wurde im Mai veröffentlicht.ANCHOR Kurz danach fingen Privatunternehmen an, sich für Lizenzen für die Entwicklung eines AIDS-Tests zu bewerben. Einige Monate später zeigte Gallos Team, dass HTLV-III auf Schimpansen übertragen werden konnte, indem ihnen Blutplasma von AIDS-Patienten injiziert wurde, wodurch das erste tierische Beispiel der Krankheit gegeben war.ANCHOR Bis Januar 1985 hatte sich durch Folgestudien herausgestellt, dass es sich bei LAV und HTLV-III um denselben Virus handelt,ANCHORwodurch die FDA den ersten AIDS-Bluttest zulassen konnte – ein LAV/HTLV-III-Antikörpertest. Dies ermöglichte letztendlich die Überprüfung von Spenderblut.

Die Suche nach einer Behandlung

Sobald bekannt wurde, dass AIDS durch einen menschlichen Retrovirus verursacht wurde, begann die Suche nach medikamentösen Therapien. Das virale Enzym Reverse Transkriptase wird von Retroviren verwendet, um DNA aus ihrer viralen RNA zu bilden, sobald sie eine Zelle infiziert haben. Die Tatsache, dass Menschen und andere Säugetiere dieses Enzym nicht bilden, macht es zu einem offensichtlichen Arzneimitteltarget. Reverse Transkriptase bleibt heutzutage ein Schlüsseltarget der Anti-HIV-Therapien. Gallos Team hatte gezeigt, dass das Medikament Suramin, das zur Behandlung der afrikanischen Tryptanosomiasis (Schlafkrankheit) verwendet wurde, tierische Retroviren in vitro wirksam davon abhielt, Reverse Transkriptase zu verwenden und die Verbreitung des Virus in lebenden Tieren reduzierte. Sie fanden heraus, dass Azido-Thymidin, ein anderes Antivirenmittel, verhinderte, dass das Virus sich auf ähnliche Weise reproduzierte und da es in Ratten und Hunden relativ ungiftig war, schlugen sie vor, dass es als potentielle Behandlung des LAV/HTLV-III-Virus weiter untersucht werden sollte.ANCHOR

Nachdem das Institut Pasteur und das National Cancer Institute außerstande waren, sich auf einen Namen zu einigen, nannte das International Commitee on the Taxonomy of Viruses (Internationales Komitee für die Taxonomie von Viren) den Virus im Jahre 1986 Humanes Immundefizienz-Virus (HIV).ANCHOR

Bis September hatten frühe klinische Tests gezeigt, dass Azido-Thymidin (AZT), das in den 1960er Jahren als Anti-Krebs-Mittel entwickelt worden war, die Fortentwicklung von HIV im Menschen verzögerte. Unterdessen wurde festgestellt, dass AZT Reverse Transkriptase in Mäuse-Retroviren hemmte und seine genaue Wirkungsweise konnte detailliert untersucht werden.ANCHOR Nach sechs Monaten in der klinischen Studie war ein Mitglied der Gruppe, die AZT erhielt, gestorben, verglichen mit 19 Todesfällen in der Placebo-Gruppe. Der Versuch wurde gestoppt, damit der Placebo-Gruppe AZT verabreicht werden konnte, um ihnen so eine bessere Überlebenschance zu geben. Somit wurde AZT die erste bewährte medikamentöse Therapie für HIV und AIDS. ANCHOR


Quellen

  1. Altman, L.K. (1981) ‘Rare cancer seen in 41 homosexuals’, The New York Times, 3rd July
  2. (1981) MMWR weekly, Vol 30, 28th Aug
  3. Masur H., Michelis M.A., Greene J.B., Onorato I., Stouwe R.A., Holzman R.S., Wormser G., Brettman L., Lange M., Murray H.W. and Cunnigham-Rundles S. (1981) 'An Outbreak of community acquired Pneumocystis carinii pneumonia: initial manifestation of cellular immune dysfunction', The New England Journal Of Medicine, 305 (24):1431-1438
  4. Dubois, R.M., Braitwaite, M.A., Mikhail, J.R. et al., (1981) 'Primary Pneumocystis Carinii and Cytomegalovirus Infections', The Lancet, ii, 1339
  5. Barre-Sinoussi et al, Isolation of a T-lymphotropic retrovirus from a patient at risk for acquired immune deficiency syndrome (AIDS), Science, 220, 868-871
  6. AIDS Activity Center For Infectious Diseases Centers For Disease Control (1983) 'Acquired Immunodeficiency Syndrome (AIDS) weekly surveillance report- United States', December 22
  7. Auerbach D.M., Darrow, W.W., Jaffe, H.W, and J.W Curran (1984) Cluster of cases of the acquired Immune Deficiency Syndrome-patients linked by sexual contact, American Journal of Medicine, 76, 487-492
  8. M Popovic, MG Sarngadharan, E Read, and RC Gallo (1984), Detection, isolation, and continuous production of cytopathic retroviruses (HTLV-III) from patients with AIDS and pre-AIDS Science 224, Issue 4648: 497-500.
  9. Marx J.L. (1985), 'A virus by any other name?', Science, March 22
  10. Alter H.J. et al. (1984) Transmission of HTLV-III infection from human plasma to chimpanzees: an animal model for AIDS. Science. 226(4674):549-52
  11. Mitsuya, H et al. (1985) 3’-Azido-3’-deoxythymidine (BW A509U): an antiviral agent that inhibits the infectivity and cytopathic effect if human T-lymphotropic virus type III/ lymphadenopathy-associated virus in vitro, Proc. Natl. Acad. Sci. USA. 82, 7096-7100
  12. Coffin J., Haase A., Levy J.A., Montagnier L., Oroszlan S., Teich N., Temin H., Toyoshima K., Varmus H., Vogt P., Weiss R.A., (1986) 'What to call the AIDS virus?', (Letter), Nature, 321:10
  13. Ruprecht, RM et al. (1986) Suppression of mouse viraemia and retroviral disease by 3'-azido-3'-deoxythymidine. Nature 323, 467 – 469
  14. Fischl M. A., Richman D. D., Grieco M. H., Gottlieb M. S., Volberding P. A., Laskin O. L., Leedom J. M., Groopman J. E., Mildvan D., Schooley R. T., et al. (1987)''The Efficacy of azidothymidine (AZT) in the treatment of patients with AIDS and AIDS-related complex, a double-blind, placebo-controlled trial', The New England Journal Of Medicine, Vol. 317: 185-191

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