Die weltweite Quelle für wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema Tierforschung

Loading
Main menu
Select a language
Search
Loading

Testen von Haushaltsprodukten anTieren

Es gibt keine eindeutige Definition für ein Haushaltsprodukt. Der Begriff schließt Bleichmittel, Geschirrspülmittel, Waschpulver, Insektizide, Lösungsmittel, Möbelpolitur und Lufterfrischer ein. Die Regulierungsinstanzen für Tierversuche geben zwar Beispiele für Produkte, die zu dieser Kategorie gehören, aber die Klassifizierung geschieht bisher in jedermanns eigenem Ermessen.

Die britische Koalitionsregierung hat sich dazu verpflichtet, Tierversuche für Haushaltsprodukte abzuschaffen und berät sich derzeit mit den relevanten Organisationen zum Thema. Zur Eingangsphase des Beratungsprozesses gehört auch die Einigung auf eine Definition des Begriffs 'Haushaltsprodukt', die unabdingbar ist, um ein entsprechendes Verbot durchzusetzen.

Warum werden Tiere bei Tests für Haushaltsprodukte verwendet

Inhaltsstoffe
Produktstudien
Vergleich mit dem Kosmetik-Testverbot in der EU
Gibt es nicht schon genügend Produkte?
Unternehmen, die bereits nicht an Tieren geprüfte Haushaltsprodukte vertreiben


Warum werden Tiere bei Tests für Haushaltsprodukte verwendet?

Sicherheitstests sind ein essenzieller Teil der modernen Gesellschaft. Die meisten Tests werden durchgeführt, um internationalen Gesetzen oder Regulierungsnormen gerecht zu werden und dienen dem Schutz des Verbrauchers, der Arbeitskräfte und der Umwelt. Viele Tests bestehen aus Techniken ohne Anwendung von Tieren, aber auch Tierversuche sind weiterhin ein grundlegender Teil des Prozesses.

Es wird unterschieden zwischen den Tests eines fertigen Haushaltsprodukts – in diesem Bereich werden nur wenige Studien durchgeführt – und den Tests der einzelnen in ihm enthaltenen Inhaltsstoffe, welche meist gesetzlich vorgeschrieben sind. Innerhalb der EU ist das Europäische Zentrum zur Validierung Alternativer Methoden (ECVAM) verantwortlich für die Genehmigung neuer, nicht-tierischer Tests, die die klassischen Tiermethoden ersetzen können. In den USA erfüllt das Interagency Coordinating Committee for the Validation of Alternative Methods (ICCVAM) eine ähnliche Rolle. In den Frühstadien der Toxizitätstests werden heutzutage viele genehmigte alternative Methoden angewendet. Tierversuche werden nur als letztes Mittel eingesetzt, falls anfängliche Tests ‚Anlass zur Besorgnis‘ über die Toxizität einer bestimmen Substanz geben.

Inhaltsstoffe

Alle neuen chemischen Substanzen, unabhängig von ihrem eventuellen späteren Gebrauch, müssen getestet werden, bevor sie auf den Markt kommen. Diese Studien garantieren, dass die Substanzen die Sicherheitsstandards erfüllen und korrekt verpackt und verwendet werden.

In Europa hat die REACH-Verordnung festgelegt, dass alle neuen und bereits existierenden chemischen Substanzen getestet werden müssen. REACH ersetzt zahlreiche vorhergehende Richtlinien zu Standard-Testmethoden in der EU zur Bestimmung gefährlicher Eigenschaften neuer Chemikalien durch neue Regelungen.

Bei Studien zu Chemikalien werden Tierversuche nur als letztes Mittel genutzt. Welche Tests genau durchgeführt werden müssen, wird entschieden, sobald die Chemikalie registriert wird und ihre Sicherheit beurteilt werden muss. Ungewollte Exposition geschieht am häufigsten in der Industrie, zum Beispiel während des Produktionsablaufs. Haushaltsprodukte sind aber auch oft für Vergiftungen von Kindern und Haustieren verantwortlich. Um solche Vergiftungen effektiv behandeln zu können, sind ausreichende Toxizitätsdaten notwendig.

Produktstudien

Fertige Haushaltsprodukte an sich werden nur selten tiergetestet (im Jahr 2007 wurde nur ein Tier dazu verwendet). Im Allgemeinen existieren keine gesetzlichen Vorschriften zur Durchführung bestimmter Tierversuche, die die Sicherheit von nicht-medizinischen Produkten beurteilen. Ausnahmen dazu sind Fälle, bei denen durch den Verwendungszweck des Produkts besondere Sicherheitsvorschriften bestehen, wie zum Beispiel für Oberflächenreiniger, die unter die Richtlinien für Biozid-Produkte fallen.

Die Hersteller entscheiden selbständig, ob sie die Wirksamkeit ihrer Produkte an Tieren ausprobieren möchten, wenn dies angemessen ist. Unkrautbekämpfungsmittel, die als "Gefahrlos für Haustiere" ausgeschrieben werden, müssen zwangsläufig an Tieren getestet worden sein, damit der Hersteller diese Behauptung aufstellen kann. Die Wirksamkeit eines Abwehrsprays, das Katzen vom Garten fernhalten soll, wird getestet, indem man herausfindet, welche Ecken eines Raumes Katzen besonders mögen und ob sie diese nach Gebrauch des Sprays meiden.

Vergleich mit dem Kosmetik-Testverbot in der EU

Das Kosmetik-Testverbot in der EU galt anfänglich nur für Endprodukte, gilt aber mittlerweile auch für die Tests einzelner Inhaltsstoffe an Tieren. Die Endphase der Einführung der Verbote betrifft auch den Import von Kosmetika, die an Tieren getestet wurde, und ist für nächstes Jahr vorgesehen.

Tests für Kosmetik- und Haushaltsprodukte scheinen, rein oberflächlich betrachtet, vergleichbar zu sein. In der Praxis sind sie allerdings sehr unterschiedlich. Die Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten sind meist in sehr kleinen Mengen vorhanden, ihre toxische Wirkung ist gering und sie werden oberflächlich angewendet, also auf der Haut. Haushaltsprodukte werden im Vergleich dazu in größeren Mengen verwendet (zum Beispiel Bleichmittel), können stark toxisch sein (Insektizide) und die versehentliche Einnahme dieser Produkte ist besonders gefährlich.

Verglichen mit Kosmetika werden viel größere Mengen an Haushalts-, Industrie- und Agrochemieprodukten hergestellt und verwendet, die dann über den Abfluss in die Atmosphäre gelangen. Darum könnten diese Substanzen zu ersthaften Problemen führen, sollten sie schädlich für die menschliche Gesundheit und die Umwelt sein.

Gibt es nicht schon genügend Produkte?

Es besteht eine große Nachfrage nach neuen Chemikalien für die Produktion. Die Entwicklung und die Versuche mit neuen Chemikalien zu verhindern, würde die Industrie beeinträchtigen und auch die Entwicklung neuer, weniger schadhafter Produkte stoppen. Manche Chemikalien werden in vielen verschiedenen Produkten eingesetzt und es werden oft Verwendungszwecks entdeckt, die ursprünglich gar nicht geplant waren. In vielen Bereichen werden dringend neue, bessere Produkte benötigt. Zum Beispiel würden Farben, die nicht auf Lösungsmitteln basieren, zur Verringerung der schädlichen Einflüsse auf die Umwelt beitragen.

Die Umweltverträglichkeit vieler heutzutage verwendeter Chemikalien ist ein Grund großer Besorgnis. In die Nahrungskette geratene Substanzen können in der Natur Hunderte von Kilometern von ihrem Ursprung entfernt vorgefunden werden und somit ernsthafte Umweltschäden verursachen. Dieses Problem bildet einen der Hauptbeweggründe für die Tests mit chemischen Produkten.

Unternehmen, die bereits nicht an Tieren geprüfte Haushaltsprodukte vertreiben

Manche Unternehmen behaupten, dass ihre Haushaltsprodukte nicht an Tieren getestet wurden. Zum Beispiel lautet Marks & Spencers (M&S) Geschäftspolitik bezüglich Tierversuchen für Kosmetika und Haushaltsprodukten:“Wir testen keines unserer Kosmetik- und Haushaltsprodukte an Tieren. Und wir wollen noch weiter gehen. Als Teil unserer Plan A-Verpflichtungen garantieren wir, dass auch keines der einzelnen Inhaltsstoffe unserer Kosmetik- und Haushaltsprodukte an Tieren getestet wurde. Dies ist verbindlich ab dem Stichdatum Januar 2006.“

Das bedeutet, dass weder das Produkt noch dessen Rohmaterialien nach Januar 2006 an Tieren getestet wurden. Das bedeutet aber auch, dass M&S weiterhin an Tieren getestete Produkte verkaufen kann, solange die entsprechenden Tests vor Januar 2006 durchgeführt wurden. Bereits vor Januar 2006 getestete Inhaltstoffe können also auch für Formeln neuer Produkte verwendet werden.

Es ist demnach potentiell irreführend, dass M&S behauptet, keines seiner Produkte wäre an Tieren ausprobiert worden. Möglicherweise plant das Unternehmen, nach und nach neue Produkte einzuführen, bei denen weder die Inhaltsstoffe noch das Endprodukt an Tieren getestet wurden, aber das Statement sagt dies nicht aus. Information darüber, ob und welche alternative Tests zur Sicherheit des Produkts und zur Beurteilung seiner Auswirkungen auf die Umwelt durchgeführt wurden, werden nicht gegeben.


Main menu
Select a language
Search
Loading