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Maus (immundefizient)

Zwei wichtige Inzuchtstämme immundefizienter Mäuse werden genutzt, um das Immunsystem und Transplantationen zu erforschen. Das sind Nacktmäuse und SCID-Mäuse.

Nacktmäuse

Eine Nacktmaus ist ein Inzuchtstamm, bei dem die Thymusdrüse beschädigt oder nicht vorhanden ist, wodurch ihr Immunsystem defizient ist. Sie verfügen über eine sehr geringe Anzahl von T-Lymphozyten, welche für die Immunreaktion essenziell sind. Diese Mäuse besitzen auch kein Fell und werden darum als „nackt“ bezeichnet. Durch das extrem eingeschränkte Immunsystem kann die Nacktmaus Gewebe- und Tumortransplantate empfangen und wird keine abstoßende Immunreaktion zeigen. Sie werden oft dazu genutzt, transplantiertes Gewebe zu züchten und neue bildgebende Verfahren und Tumorbehandlungen zu testen.

Nacktmäuse wurden von Dr. N. R. Grist im Jahr 1962 im Viruslabor des Ruchill Hospitals in Glasgow entdeckt. Sie sind rosahäutig, haarlos und haben übergroße Ohren. Ohne Thymusdrüse sind diese Mäuse unfähig Viren, infizierte oder bösartige Zellen abzutöten, Antikörper zu bilden, Gewebeplantate abzustoßen oder überempfindliche Reaktionen zu entwickeln – denn für all diese Prozesse bräuchten sie T-Lymphozyten. Die adaptive Immunreaktion nackter Mäuse ist so eingeschränkt, dass sie sogar transplantiertes Gewebe anderer Spezies nicht abstoßen. Das macht sie zu einem unverzichtbaren Modell für die Krebsforschung, da man so menschliche Tumore erforschen kann, deren ursprüngliche Eigenschaften aufrecht erhalten bleiben.

Rosalyn Yalow fand heraus, dass Nacktmäuse mit Hilfe der Technik des Radioimmuno-Assay geschaffen werden können, indem das zuständige Gen für das Wachstumsfaktor-Hormon des Thymus entfernt wird. Für diese Entdeckung wurde ihr 1977 der Nobelpreis für Medizin verliehen. Eine weitere Methode, Nacktmäuse zu schaffen, ist die vollständige Entfernung des Thymus innerhalb von Stunden nach der Geburt. Jedoch gehen Nacktmäuse normalerweise aus dem Inzuchtstamm hervor und werden nicht durch eine der beiden erwähnten Methoden künstlich geschaffen.

Bereits in den frühen 1970er Jahren erkannten Forscher die Vorteile, die dieses Modell bietet, aber seine Immunantwort war so stark beeinträchtigt, dass die Nacktmäuse oft Infektionen erlitten und starben, bevor ein Experiment beendet werden konnte. Durch die Anwendung steriler Techniken, waren John Stehlin und Beppo Giovanella von der Stehlin Foundation for Cancer Research (Stehlin-Stiftung für Krebsforschung) die ersten, die Nacktmäuse zwei Jahre lang am Leben erhalten konnten. In dieser Zeit waren sie in der Lage, menschliche Tumore erfolgreich an den Mäusen zu züchten und zu erforschen.


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