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Herpesvirusinfektion des Pferdes

Die Herpesvirusinfektion ist eine weitverbreitete und tödliche Krankheit bei Pferden. Sie wird durch das equine Herpesvirus 1 (EHV-1) verursacht. Dieser Virus ist den menschlichen Herpesviren sehr ähnlich. Zur dieser Gruppe gehören Viren, die für Windpocken, Lippenherpes und Genitalherpes verantwortlich sind. Die Fähigkeit des Virus über Jahre hinweg unerkannt in einem infizierten Tier zu schlummern, hat die bisherigen Versuche seine Ausbreitung zu verhindern zum Scheitern verurteilt.

Symptome
Verbreitung
Forschung
Quellen

Symptome

Die gemeinsame Nutzung von Zaumzeug kann die Verbreitung von EHV-1 unter Pferden begünstigenDie ersten Symptome sind meist Nasenausfluss, Appetitverlust, Fieber und Schwellungen. Das Virus greift die Atemwege, die Fortpflanzungsorgane und das zentrale Nervensystem an und breitet sich nach und nach auf den ganzen Körper aus. Dies kann zu Inkontinenz, der Unfähigkeit zu stehen und Totgeburten Bzw. Virusaborten bei trächtigen Stuten führen.

Verbreitung

Der Nasenausfluss ist, ähnlich wie das menschliche Niesen, ein  äußerst wirksamer Weg für die Ausbreitung des Virus. Wenn viele Pferde dieselbe Futterquelle nutzen oder Zaumzeug geteilt wird, kann das Virus schnell übertragen werden. Um das Virus einzugrenzen werden Ställe unter Quarantäne gestellt, wenn es einen Verdachtsfall gibt. Die schlimmsten Ausbrüche treten allerdings oft unmittelbar nach Reitturnieren auf. Bei einem Turnier in der Stadt Ogden im US-Bundesstaat Utah, steckten sich sehr viele Pferde bei einem einzigen Fall von equinem Herpes an und verschleppten das Virus jeweils in ihre in verschiedenen Staaten gelegenen HeimatställeANCHOR ANCHOR. Dies führte zu Quarantänen in den betroffenen Ställen und einer Reihe weiterer abgesagter Reit-Veranstaltungen.

Das Virus ist so weitverbreitet, dass sich die meisten Pferde damit infizieren, in der Regel bereits in frühen Lebensjahren. Dies verdeutlicht die auffällige Ähnlichkeit zu den Herpesviren, die Windpocken und Lippenherpesbläschen verursachen. Bei einem so häufig vorkommenden Virus können Bewegungsrestriktionen und regelmäßige Tests nur wenig ausrichtenANCHOR.

Das equine Herpesvirus kann sich, abgesehen von Pferden, auch auf andere Huftiere übertragen. Im Jahr 2010 infizierten sich zwei Eisbären in einem deutschen Zoo mit dem equinen Herpesvirus das auf unbekanntem Weg von Zebras übertragen wurde. Während die Infektion bei den Zebras nur latent vorhanden zu sein schien, verursachte sie bei den Bären eine Hirnhautentzündung, woran diese kurz nach ihrer Ansteckung verendetenANCHOR.

Forschung

Im Moment arbeitet die Forschung an der Entwicklung antiviraler Wirkstoffe, die das Virus daran hindern sich weiter durch den Körper zu verbreiten. Auch wenn diese Strategie wenig gegen die Neuansteckung von Pferden ausrichten kann, könnte sie jedoch eine wirksames Mittel sein um zu verhindern, dass die Krankheit sich zu mehr als einer Atemwegserkrankung entwickeltANCHOR.

Das Standard-Medikament gegen das Herpesvirus namens Acyclovir, das für die Behandlung von Lippenherpesbläschen bei Menschen eingesetzt wird, kann für eine effektive Wirkung im Blutkreislauf eines Pferdes nicht hoch genug dosiert werden.

Es gibt momentan keine Impfstoffe, die eine Infektion mit EHV-1 vollständig verhindern können, auch wenn es mehrere gibt, die begrenzten Schutz gegen bestimmte Aspekte der Krankheit bieten. Die inaktiven Impfstoffe Pneumabort K und Prodigy zum Beispiel werden als Schutz vor Fehlgeburten bei trächtigen Stuten vermarktet. Auch wenn die Wirksamkeit von Impfstoffen dazu neigt nur einige Monate anzuhalten, können einige Impfstoffe die Wahrscheinlichkeit der Übertragung des Virus auf andere Pferde mindern und diese so indirekt schützenANCHOR.

Eine weitere Herangehensweise um EHV-1 zu bekämpfen ist der Einsatz von kurzen, einzelsträngigen oder doppelsträngigen Ribonukleinsäure-Molekülen (small interfering RNA, siRNA)ANCHOR. Diese Methode funktioniert indem sie sich an spezielle Botenstoffe, die Messenger-RNA, bindet. Die Messenger-RNA instruiert die Zelle ein  bestimmtes Protein herzustellen. In dem diese Messenger-RNA abgefangen wird, wird das Protein nicht ausgebildet und das Virus kann nicht auf normale Weise funktionieren. Im Jahre 2009, veröffentlichten Wissenschaftler eine Arbeit, die an Mäusen zeigen konnte, dass kurze Abschnitte der Ribonukleinsäure-Moleküle dazu eingesetzt werden können durch einfache topische Verabreichung die Replikation des Virus und die Symptome zu unterdrückenANCHOR. In diesem Fall handelte es sich bei den Proteinen, deren Expression verhindert wurde, um Glycoprotein B und Ori Helikase, die für das Eindringen in Zellen Bzw. für die Replikation des Genoms notwendig sind. Aufgrund der speziellen Gegebenheiten dieser Behandlungsmethode ist es für das Virus sehr schwierig Resistenzen zu entwickeln. Diese Methode ist seitdem an Pferden getestet worden, wo sich ein signifikanter Rückgang der neurologischen Komplikationen bei den Infektionen mit EHV-1 verzeichnen lies, auch wenn es so scheint als hätte die Methode nur wenig Einfluss auf die Menge der Viren im KörperANCHOR.



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